Dienstag, 15. September 2026

(•‿-) Meine Viromed-Bingo-Karte und was könnte die Aktie wert sein, wenn PulmoPlas funktioniert?

 


Bei kaum einer meiner Small-Cap-Positionen liegen in den kommenden Monaten so viele potenzielle Kurstreiber gleichzeitig auf dem Tisch wie bei der Viromed Medical AG. Deshalb habe ich mir für das Unternehmen eine persönliche „Viromed-Bingo-Karte“ gebaut.

Darauf stehen unter anderem weitere Verkaufserfolge mit ViroCAP®, die Veröffentlichung der umfangreichen wissenschaftlichen Daten zu PulmoPlas®, klinische Studien am Menschen, zusätzliche Anwendungen der PulmoPlas-Technologie, regulatorische Fortschritte, die geplante Übernahme der relyon plasma GmbH, mögliche weitere Finanzierungsmaßnahmen und natürlich die kommenden Halbjahreszahlen.

Für mich sind aber nicht alle Felder gleich wichtig. Drei Ereignisse könnten den Wert des Unternehmens fundamental verändern:

Fall A: Die angekündigte wissenschaftliche Publikation bestätigt überzeugend die Wirksamkeit und Sicherheit von PulmoPlas.

Fall B: Anschließende klinische Studien bestätigen diese Ergebnisse auch beim Menschen.

Und irgendwann könnte es sogar einen Fall C geben: PulmoPlas erhält den regulatorischen Marktzugang in Europa und den USA.

Meine zentrale Investmentfrage lautet deshalb nicht, ob Viromed im nächsten Quartal eine Million Euro mehr oder weniger Umsatz erzielt.

Sie lautet:

Was wäre eine technologisch geschützte Plattform zur physikalischen Behandlung schwerer Lungeninfektionen wert, wenn sie zunächst wissenschaftlich und anschließend klinisch funktioniert?

Meine Antwort darauf fällt deutlich aus: Nach einer überzeugenden wissenschaftlichen Validierung halte ich für Viromed eine Bewertung von 250 bis 450 Mio. Euro für vorstellbar. Nach überzeugenden klinischen Humanstudien könnte sich die Bewertungsdimension meiner Einschätzung nach auf 0,8 bis 1,5 Mrd. Euro verschieben.

Und sollte irgendwann zusätzlich der regulatorische Marktzugang in Europa und den USA gelingen, könnte sich noch einmal eine völlig neue Bewertungsebene öffnen. Doch der Reihe nach.


Die Ausgangslage: Viromed ist heute noch kein Milliardenunternehmen

Zunächst zur Realität. Viromed erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Konzernumsatz von 5,1 Mio. Euro nach 1,1 Mio. Euro im Vorjahr. Gleichzeitig verbesserte sich das Ergebnis deutlich: Nach einem Verlust von 3,1 Mio. Euro 2024 wurde 2025 ein Jahresüberschuss von rund 0,6 Mio. Euro erzielt.

Allerdings wurde das ursprünglich kommunizierte Umsatzziel von 8 bis 10 Mio. Euro verfehlt. Im Mai 2026 wurde zudem die zuvor sehr ambitionierte Prognose für 2026 aufgrund von Verzögerungen bei ViroCAP und PulmoPlas angepasst.

Wer Viromed ausschließlich anhand der heute bestehenden Umsätze bewertet, wird kaum zu einer außergewöhnlich hohen Bewertung kommen. Das derzeitige operative Geschäft allein ist nicht der Grund, weshalb ich mich intensiv mit der Aktie beschäftige.

Der entscheidende Unterschied zwischen Viromed und einem gewöhnlichen kleinen Medizintechnik-Vertrieb besteht für mich in der Optionalität von PulmoPlas.

Viromed hat derzeit 21,25 Mio. Aktien ausstehend. Das ist für die spätere Szenariorechnung wichtig: Je 100 Mio. Euro Unternehmenswert entsprechen – rein rechnerisch und vor einer möglichen zukünftigen Verwässerung – rund 4,71 Euro je Aktie.


Das wichtigste Feld meiner Bingo-Karte: PulmoPlas

PulmoPlas soll kaltes atmosphärisches Plasma für Anwendungen in der Lunge nutzbar machen. Im Mittelpunkt der bisherigen Entwicklung steht insbesondere die beatmungsassoziierte Pneumonie, international als Ventilator-Associated Pneumonia oder VAP bezeichnet.

Das ist medizinisch ein hochinteressantes Feld. Gerade schwerkranke und künstlich beatmete Intensivpatienten sind anfällig für schwere Lungeninfektionen. Hinzu kommt das Problem zunehmender Antibiotikaresistenzen. Der besondere Punkt an PulmoPlas ist deshalb der Wirkmechanismus.

PulmoPlas wäre kein weiteres Antibiotikum und kein neuer pharmazeutischer Wirkstoff. Die Technologie soll Krankheitserreger durch eine physikalische Kaltplasma-Anwendung inaktivieren. Wenn dieses Prinzip tatsächlich zuverlässig, ausreichend stark und gleichzeitig gewebeschonend funktioniert, könnte daraus ein erheblicher medizinischer Vorteil entstehen.

Denn eine physikalische Behandlung könnte theoretisch weniger von den klassischen Resistenzmechanismen abhängig sein, die den Einsatz von Antibiotika zunehmend erschweren. Genau hier liegt meiner Meinung nach der potenziell disruptive Charakter der Technologie.


Was bisher bekannt ist

Viromed und die beteiligten Wissenschaftler haben in den vergangenen Jahren mehrfach positive präklinische Ergebnisse kommuniziert.

Besonders wichtig war die wissenschaftliche Pressekonferenz im Februar 2026. Dort erklärte die Studienleitung, dass die über rund zweieinhalb Jahre gewonnenen Daten an humanen Lungenepithelmodellen konsistente positive Ergebnisse gezeigt hätten.

Nach Angaben der Studienleitung wurde eine signifikante und keimunabhängige Reduktion pathogener Keime beobachtet. Gleichzeitig sei ein therapeutisches Sicherheitsfenster definiert worden. Histologische Untersuchungen hätten innerhalb dieses Anwendungsfensters keine sicherheitsrelevanten Gewebeschäden gezeigt.

Zusätzlich wurde eine Validierungsstudie an einem vitalen Lungenorganmodell an der Universität des Saarlandes gestartet, um den Übergang von der Grundlagenforschung in Richtung klinische Anwendung weiter vorzubereiten.

Hier liegt gleichzeitig einer der wichtigsten Punkte meiner Investmentthese:

Unternehmensmeldungen und Aussagen einer Studienleitung sind noch nicht dasselbe wie eine umfassend begutachtete wissenschaftliche Publikation und schon gar nicht dasselbe wie klinische Evidenz am Menschen.

Genau deshalb ist die angekündigte Veröffentlichung für mich ein derart wichtiges Bingo-Feld.


Fall A: Die wissenschaftliche Veröffentlichung bestätigt PulmoPlas

Stellen wir uns vor, die vollständigen Ergebnisse werden in einem anerkannten internationalen Peer-Review-Journal veröffentlicht.

Und stellen wir uns weiter vor, die Daten bestätigen überzeugend, dass PulmoPlas unterschiedliche relevante Krankheitserreger stark reduzieren kann, die Wirkung reproduzierbar ist, ein ausreichend breites therapeutisches Fenster existiert und dabei keine relevanten Schäden am Lungengewebe auftreten. Dann würde sich meiner Meinung nach etwas Entscheidendes verändern. PulmoPlas wäre anschließend nicht mehr lediglich eine interessante Technologie, deren Potenzial hauptsächlich aus Unternehmensmeldungen abgeleitet wird. Es gäbe eine wesentlich stärkere externe wissenschaftliche Validierung.

Das reduziert einen Teil des technologischen Risikos. Nicht vollständig – aber erheblich.

Ein MedTech-Konzern, ein strategischer Investor oder ein möglicher Lizenzpartner könnte anschließend wesentlich belastbarer beurteilen, ob aus dieser Technologie tatsächlich eine klinische Plattform entstehen kann.


Warum eine erfolgreiche präklinische Veröffentlichung noch keine Milliardenbewertung rechtfertigt

Trotzdem wäre ich in Fall A noch vorsichtig.

Eine hervorragende wissenschaftliche Publikation beweist noch nicht, dass PulmoPlas beim Intensivpatienten funktioniert. Zwischen präklinischer Wirksamkeit und einer erfolgreichen Therapie beim Menschen liegen erhebliche Risiken.

Die optimale Dosierung muss stimmen. Die Behandlung muss sicher sein. Unterschiedliche Patienten, Erkrankungsstadien, Pathogene und Begleiterkrankungen müssen berücksichtigt werden. Und vor allem muss am Ende ein klinisch relevanter Nutzen entstehen. Es reicht langfristig nicht aus, im Labor oder im Modell lediglich die Keimzahl zu reduzieren.

Für Krankenhäuser und Zulassungsbehörden wird entscheidend sein, ob sich daraus beispielsweise weniger Infektionen, weniger Antibiotikabedarf, weniger Beatmungstage oder andere relevante Verbesserungen ergeben. Deshalb wäre Fall A für mich ein bedeutendes De-Risking – aber noch nicht der endgültige Proof of Concept.


Was könnte Viromed nach Fall A wert sein?

Nach einer überzeugenden wissenschaftlichen Publikation würde ich Viromed nicht anhand eines klassischen KGV bewerten. Dafür wäre das operative Geschäft noch zu klein und PulmoPlas zu früh in der Entwicklung. Ich würde vielmehr eine Kombination aus bestehendem Geschäft, Technologieplattform, IP, strategischer Optionalität und einem risikoadjustierten zukünftigen Wert von PulmoPlas ansetzen.

Meine Größenordnung wäre:

250 bis 450 Mio. Euro Unternehmenswert

Mein persönliches mittleres Szenario läge ungefähr bei 325 Mio. Euro.

Bei aktuell 21,25 Mio. Aktien ergäbe sich daraus rein rechnerisch:

250 Mio. Euro = ca. 11,76 Euro je Aktie

325 Mio. Euro = ca. 15,29 Euro je Aktie

450 Mio. Euro = ca. 21,18 Euro je Aktie

Natürlich ist diese Rechnung statisch. Gerade bei einem Forschungs- und Medizintechnikunternehmen muss berücksichtigt werden, dass auf dem Weg zur Zulassung weiteres Kapital benötigt werden kann.

Die derzeit angekündigten Umplatzierungen von Aktien aus dem Besitz der Gründerfamilie erhöhen die Aktienzahl zwar nicht. Eine zukünftige klassische Kapitalerhöhung würde dagegen verwässern. Finanzierung bleibt deshalb ein wichtiges Feld auf meiner Bingo-Karte.

Die Gründerfamilie hat nach Unternehmensangaben zwischen 2023 und 2026 insgesamt rund 16,6 Mio. Euro zur Stabilisierung und Finanzierung der operativen Gesellschaft bereitgestellt.


Was zahlen große MedTech-Konzerne eigentlich für neue Technologien?

An dieser Stelle kommt häufig die Gegenfrage:

Wie kann Viromed jemals eine Milliarde Euro wert sein, wenn das Unternehmen heute nur wenige Millionen Euro Umsatz erzielt?

Für mich lohnt sich hier ein Blick auf reale MedTech-Übernahmen.

Denn große Konzerne wie Johnson & Johnson, Medtronic, Boston Scientific oder Stryker kaufen nicht ausschließlich bestehende Umsätze.

Sie kaufen teilweise Technologie, Patente, klinische Evidenz, einen neuen Behandlungsansatz und die Möglichkeit, diesen Ansatz anschließend über ihre bestehenden internationalen Vertriebsstrukturen zu skalieren.

Die folgende Tabelle zeigt einige bemerkenswerte Beispiele:

Käufer

Übernahmeziel

Jahr

Transaktionswert

Umsatz des Targets

Größenordnung Kaufpreis/Umsatz

Johnson & Johnson

Shockwave Medical

2024

$13,1 Mrd. EV

$730 Mio. 2023

~18×

Johnson & Johnson

Auris Health

2019

$3,4 Mrd. upfront + bis zu $2,35 Mrd. Meilensteine

nicht separat veröffentlicht

n. a.

Stryker

Inari Medical

2025

$4,9 Mrd. Equity Value

~$603 Mio. 2024E

~8×

Boston Scientific

Axonics

2024

$3,7 Mrd. Equity Value

~$366 Mio. 2023

~10×

Boston Scientific

Baylis Medical

2022

$1,75 Mrd. upfront

knapp $200 Mio. erwartet

~9×

Medtronic

Mazor Robotics

2018

$1,64 Mrd.

$64,9 Mio. 2017

~25×

Boston Scientific

Silk Road Medical

2024

$1,16 Mrd. EV

deutlich unter $1 Mrd.

Die einzelnen Transaktionen sind natürlich nicht 1:1 mit Viromed vergleichbar. Die Targets waren teilweise kommerziell und regulatorisch deutlich weiter entwickelt als PulmoPlas heute. Aber die Tabelle zeigt einen wichtigen Punkt:

Ein MedTech-Unternehmen benötigt keine Milliardenumsätze, um Milliarden wert zu sein.

Shockwave erzielte 2023 rund 730 Mio. Dollar Umsatz. Nur wenige Monate später vereinbarte Johnson & Johnson eine Übernahme zu einem Enterprise Value von etwa 13,1 Mrd. Dollar.

Boston Scientific zahlte für Baylis Medical 1,75 Mrd. Dollar, obwohl für 2022 Umsätze von lediglich knapp 200 Mio. Dollar erwartet wurden.

Bei Axonics lag der Übernahmewert bei rund 3,7 Mrd. Dollar Equity Value, während der erwartete Umsatz 2023 bei ungefähr 366 Mio. Dollar lag.

Noch spannender finde ich aber zwei andere Beispiele.


Beispiel 1: Johnson & Johnson und Auris Health – Milliarden für eine Lungenplattform

Das für mich interessanteste Vergleichsbeispiel ist Auris Health.

Johnson & Johnson übernahm Auris 2019 für etwa:

3,4 Milliarden Dollar in Cash

Zusätzlich wurden erfolgsabhängige Zahlungen von bis zu:

2,35 Milliarden Dollar vereinbart.

Der theoretische Gesamtwert der Transaktion konnte damit auf 5,75 Mrd. Dollar steigen. Warum ist dieser Fall für meine Viromed-These so interessant?

Auris entwickelte eine robotische Technologieplattform, deren erste Anwendung im Bereich der bronchoskopischen Diagnostik und Therapie der Lunge lag.

Die Plattform war bereits FDA-cleared. Entscheidend für J&J war aber offensichtlich nicht nur der bestehende Umsatz, sondern das Potenzial der Technologie für weitere interventionelle und chirurgische Anwendungen. Das lässt sich sogar in den damaligen J&J-Abschlüssen erkennen.

Johnson & Johnson ordnete im Zuge der Kaufpreisallokation rund 3,0 Mrd. Dollar sogenannten In-Process Research & Development Assets zu. Ein erheblicher Teil des Transaktionswertes beruhte damit auf zukünftiger Technologie und erwarteter Entwicklung – nicht auf bereits realisierten Milliardenumsätzen.

Genau das ist für PulmoPlas relevant. Ein großer MedTech-Konzern könnte möglicherweise wesentlich stärker als ein kleiner unabhängiger Entwickler monetarisieren, was eine erfolgreiche PulmoPlas-Technologie bietet.

J&J, Medtronic oder ein anderer internationaler Konzern verfügt bereits über Krankenhausbeziehungen, regulatorische Teams, globale Vertriebsstrukturen, Serviceorganisationen, Produktion und Erfahrung mit Reimbursement. Was Viromed selbst mühsam über viele Jahre aufbauen müsste, könnte ein strategischer Käufer wesentlich schneller skalieren. Auris zeigt deshalb eindrucksvoll:

Der strategische Wert einer MedTech-Technologie kann weit über dem aktuellen Umsatz liegen.


Beispiel 2: Medtronic und Mazor Robotics – 1,64 Milliarden Dollar für 65 Millionen Dollar Umsatz

Das zweite Beispiel finde ich fast noch beeindruckender.

Medtronic kündigte 2018 die Übernahme von Mazor Robotics für rund 1,64 Mrd. Dollar an. Mazor hatte im Geschäftsjahr 2017 gerade einmal:

64,9 Mio. Dollar Umsatz erzielt. Der Kaufpreis entsprach damit grob dem 25-Fachen des damaligen Jahresumsatzes. Warum? Weil Medtronic nicht 65 Mio. Dollar Umsatz kaufte.

Medtronic kaufte eine proprietäre Technologieplattform für robotergestützte Wirbelsäulenchirurgie, eine bereits aufgebaute klinische Positionierung, Know-how und die Möglichkeit, diese Technologie mit dem eigenen Portfolio aus Implantaten, Navigation und Bildgebung zu kombinieren.

Und hier liegt meiner Meinung nach die wichtigste Parallele zu PulmoPlas:

Wenn eine Technologie einen Behandlungsstandard verändern könnte, wird ihr Wert nicht allein anhand des aktuellen Umsatzes bestimmt. Entscheidend ist der zukünftige Markt, der durch die Technologie adressiert werden kann.

Natürlich war Mazor zum Zeitpunkt der Übernahme deutlich weiter entwickelt als PulmoPlas heute. Aber genau deshalb habe ich bei Viromed unterschiedliche Szenarien.

Der Wert entsteht nicht auf einmal. Er entsteht durch De-Risking.


Fall B: Klinische Studien bestätigen die Ergebnisse beim Menschen

Fall B ist für mich das wichtigste Feld auf der gesamten Viromed-Bingo-Karte.

Stellen wir uns vor, das wissenschaftliche Paper ist überzeugend.

Anschließend beginnen klinische Studien am Menschen.

Und auch diese Studien liefern positive Ergebnisse.

Dann verändert sich die gesamte Investmentthese.

Denn ab diesem Zeitpunkt lautet die Frage nicht mehr:

Kann Kaltplasma möglicherweise Krankheitserreger in der Lunge reduzieren?

Sondern:

Kann PulmoPlas bei realen Patienten einen klinisch relevanten medizinischen Nutzen erzeugen?

Das wäre ein fundamentaler Unterschied. Besonders wertvoll wären für mich Ergebnisse, die über einen reinen mikrobiologischen Effekt hinausgehen.

Eine Reduktion der Keimlast wäre wichtig. Noch bedeutender wären aber beispielsweise eine geringere Häufigkeit beatmungsassoziierter Pneumonien, weniger Antibiotikaeinsatz, eine kürzere Beatmungsdauer, weniger Intensivtage oder eine Verbesserung anderer harter klinischer Endpunkte. Je härter und wirtschaftlich relevanter der klinische Endpunkt, desto größer wäre meiner Meinung nach der Wert der Technologie.


Warum erfolgreiche Humanstudien den Wert so stark verändern könnten

Nach positiven klinischen Studien hätte Viromed ein wesentlich anderes Asset.

PulmoPlas wäre dann nicht mehr nur wissenschaftlich interessant. Die Technologie wäre klinisch validiert. Das ist aus meiner Sicht genau der Punkt, an dem strategische MedTech-Konzerne besonders aufmerksam werden könnten. Denn der größte Wert läge möglicherweise nicht einmal im Verkauf der PulmoPlas-Geräte selbst. Interessant wäre vielmehr das langfristige Geschäftsmodell. Eine erfolgreiche MedTech-Plattform kann Erlöse aus Geräten, Verbrauchsmaterialien, Zubehör, Wartung, Service, Lizenzierung und gegebenenfalls indikationsbezogenen Partnerschaften erzielen. Gerade wiederkehrende Consumables-Umsätze können sehr attraktiv sein. Dazu kommt der Plattformcharakter.

Viromed sieht PulmoPlas nicht ausschließlich als Lösung für eine einzige Form der Pneumonie. Im Mai 2026 wurde beispielsweise eine Zusammenarbeit mit NEBU-TEC angekündigt, bei der die Kaltplasmatechnologie mit Inhalations- und Vernebelungssystemen kombiniert werden soll. Ein erster Schwerpunkt liegt im veterinärmedizinischen Bereich; perspektivisch stehen auch weitere Anwendungen im Raum.

Wenn sich der Wirkmechanismus grundsätzlich als sicher und wirksam bestätigen sollte, könnte der strategische Wert deshalb deutlich größer sein als der Wert einer einzigen Indikation.


Was könnte Viromed in Fall B wert sein?

Nach überzeugenden klinischen Humanstudien würde ich Viromed nicht mehr wie ein kleines deutsches Medizintechnikunternehmen bewerten. Ich würde anfangen, das mögliche langfristige Marktpotenzial von PulmoPlas zu modellieren.

Und hier halte ich eine Unternehmensbewertung von:

0,8 bis 1,5 Milliarden Euro für grundsätzlich plausibel.

Bei 21,25 Mio. heutigen Aktien entspräche das rein rechnerisch:

800 Mio. Euro = ca. 37,65 Euro je Aktie

1,0 Mrd. Euro = ca. 47,06 Euro je Aktie

1,2 Mrd. Euro = ca. 56,47 Euro je Aktie

1,5 Mrd. Euro = ca. 70,59 Euro je Aktie

Wieder gilt: Das sind keine klassischen Kursziele und keine Prognosen, sondern Szenariowerte. Bis dahin können Kapitalmaßnahmen, neue Aktien, Akquisitionen und weitere Finanzierungen die Kapitalstruktur verändern.

Aber die Größenordnung halte ich nach erfolgreichen klinischen Studien nicht für absurd. Die historischen M&A-Transaktionen zeigen, dass strategische Käufer für technologisch differenzierte MedTech-Plattformen Milliardenbeträge zahlen können, obwohl die Targets noch weit von Milliardenumsätzen entfernt sind.


Und dann gibt es noch Fall C …

Fall C liegt deutlich weiter in der Zukunft. Er ist heute deshalb naturgemäß hochspekulativ. Für meine Bingo-Karte möchte ich ihn trotzdem zumindest erwähnen.

Fall C: PulmoPlas erhält den regulatorischen Marktzugang in Europa und den USA.

In Europa würde es um den entsprechenden regulatorischen Weg unter der Medical Device Regulation und die erforderliche CE-Kennzeichnung beziehungsweise Marktfähigkeit für die vorgesehene medizinische Anwendung gehen. In den USA wäre ein geeigneter FDA-Regulierungsweg erforderlich.

Welcher konkrete FDA-Pfad für ein finales PulmoPlas-Produkt notwendig wäre, lässt sich heute meines Erachtens nicht seriös vorwegnehmen. Das hängt unter anderem von Produktklassifizierung, Indikation, Risikoprofil und der Frage ab, ob ein geeigneter Predicate Device existiert. Deshalb würde ich heute nicht einfach behaupten: „PulmoPlas bekommt eine Zulassung.“ Das muss regulatorisch erst geklärt werden.

Entscheidend ist etwas anderes: Wenn PulmoPlas irgendwann wissenschaftlich validiert, klinisch erfolgreich und regulatorisch für große Märkte freigegeben wäre, wären drei der größten Entwicklungsrisiken nacheinander reduziert:

wissenschaftliches Risiko → klinisches Risiko → regulatorisches Risiko.

Was anschließend hauptsächlich übrig bliebe, wäre das kommerzielle Risiko. Und genau in dieser Phase könnte eine Technologie für große MedTech-Konzerne besonders attraktiv werden.


Meine PulmoPlas-Werttreppe

So sieht deshalb meine persönliche Szenariomatrix aus:

Entwicklungsstand

Was wäre erreicht?

Meine grobe Viromed-Bewertung*

Aktuelle Phase

präklinische Evidenz und technologische Optionalität

Ausgangsbasis

A: überzeugende wissenschaftliche Publikation

starke externe wissenschaftliche Validierung

250–450 Mio. €

B: erfolgreiche klinische Humanstudien

Sicherheit und Wirksamkeit beim Menschen bestätigt

0,8–1,5 Mrd. €

C: klinischer Erfolg + regulatorischer Marktzugang Europa/USA

Technologie weitgehend wissenschaftlich, klinisch und regulatorisch de-risked

1,5–3,0 Mrd. € denkbar

C+ erfolgreiche Kommerzialisierung

internationale Adoption und wiederkehrende Umsätze

>3 Mrd. € langfristig nicht ausgeschlossen

*Persönliche Szenarioannahmen, keine Kursziele oder Garantien.

Ich möchte Fall C bewusst nicht zu stark ausbauen. Bis dahin ist der Weg lang.

Aber gerade Auris, Mazor, Shockwave oder Inari zeigen, warum ich eine spätere Milliardenbewertung nicht grundsätzlich für unrealistisch halte. PulmoPlas müsste dafür nicht erst selbst Milliardenumsätze generieren. PulmoPlas müsste vielmehr beweisen, dass die Technologie einen zukünftigen Milliardenmarkt adressieren und medizinisch einen relevanten Unterschied machen kann. Das ist ein großer Unterschied.


Die anderen Felder meiner Viromed-Bingo-Karte

PulmoPlas ist für mich der größte Werttreiber. Trotzdem gibt es eine ganze Reihe weiterer Ereignisse, die den Investment Case in den kommenden Monaten beeinflussen können.

Ein wichtiges Feld ist ViroCAP. Ende August erhielt Viromed für ViroCAP die Registrierung im türkischen ÜTS-System. Damit wurden nach Unternehmensangaben wesentliche regulatorische Voraussetzungen für Vertrieb und Vermarktung in der Türkei erfüllt und bestehende Bestellungen können ausgeliefert werden.

ViroCAP könnte damit wesentlich früher als PulmoPlas zeigen, ob Viromed eine innovative Kaltplasmatechnologie tatsächlich in relevante Umsätze umsetzen kann.

Ein weiteres großes Feld ist relyon plasma. Viromed hatte im März 2026 eine Absichtserklärung zur vollständigen Übernahme der relyon plasma GmbH unterzeichnet. relyon entwickelt und produziert Systeme im Bereich atmosphärischer Plasmatechnologie und verfügt nach Unternehmensangaben über ein umfangreiches Patentportfolio. Gemeinsam mit Viromed wurden unter anderem ViroCAP und PulmoPlas entwickelt.

Im Juli wurde gemeldet, dass die Due Diligence erfolgreich abgeschlossen wurde und sich Viromed und die TDK Electronics AG unverbindlich auf verschiedene Eckpunkte verständigt haben. Die endgültige Transaktion war zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen. Strategisch halte ich die Übernahme für sehr interessant.

Viromed könnte dadurch Entwicklungskompetenz, Produktions-Know-how, Technologie und IP stärker unter eigene Kontrolle bringen. Aus einem Unternehmen, das Technologie zum Teil extern entwickeln und produzieren lässt, könnte stärker eine vertikal integrierte Kaltplasma-Plattform werden. Gleichzeitig kostet eine solche Übernahme Geld. Damit kommen wir wieder zum Thema Finanzierung.


Halbjahreszahlen ?

Die Halbjahreszahlen 2026 sind laut Finanzkalender für September angekündigt. Für meine langfristige These sind sie nicht so wichtig wie die wissenschaftlichen und klinischen PulmoPlas-Meilensteine.


Die Risiken gehören genauso auf die Bingo-Karte

Bei aller Fantasie darf man sich nichts vormachen. Viromed ist keine risikoarme Standardanlage. Die wissenschaftliche Publikation könnte weniger überzeugend ausfallen als erwartet. Die Ergebnisse aus präklinischen Modellen könnten sich beim Menschen nicht reproduzieren lassen. Es könnten unerwartete Sicherheitsprobleme auftreten. Ein klinischer Effekt auf Krankheitserreger könnte vorhanden sein, ohne einen ausreichend starken Effekt auf relevante klinische Endpunkte zu erzielen. Regulatorische Verfahren könnten länger dauern oder zusätzliche Studien verlangen. Der Aufbau einer internationalen Vertriebsstruktur könnte teurer werden als angenommen. ViroCAP-Aufträge könnten später oder in geringerem Umfang abgerufen werden. Die relyon-Übernahme könnte mehr Kapital benötigen. Und zukünftige Kapitalerhöhungen könnten bestehende Aktionäre verwässern. Das alles gehört für mich zu einer seriösen Bewertung. Meine hohen Szenariowerte gelten deshalb nur, wenn die entsprechenden Meilensteine tatsächlich erreicht werden.


Meine Viromed-Bingo-Karte hat eigentlich nur drei wirklich wichtige große Felder

Wenn ich alle kommenden Nachrichten auf drei entscheidende Ereignisse reduzieren müsste, wären es diese:

A: Die Wissenschaft bestätigt PulmoPlas.

Dann könnte aus einer interessanten Technologie ein wissenschaftlich stark validiertes Entwicklungsprojekt werden.

Meine Bewertungsdimension:

250 bis 450 Mio. Euro.

B: Der Mensch bestätigt die Wissenschaft.

Wenn klinische Humanstudien Sicherheit und vor allem einen relevanten medizinischen Nutzen zeigen, wäre PulmoPlas aus meiner Sicht nicht mehr nur ein Entwicklungsprojekt. Es könnte eine neue MedTech-Therapieplattform werden.

Meine Bewertungsdimension: 0,8 bis 1,5 Mrd. Euro.

Und irgendwann könnte noch das ultimative Feld hinzukommen:

C: Die Regulierungsbehörden öffnen die großen Märkte.

Sollte PulmoPlas nach erfolgreichen klinischen Studien zusätzlich den regulatorischen Marktzugang in Europa und den USA erreichen, könnte der strategische Wert aus meiner Sicht noch einmal erheblich steigen. Dann wäre langfristig eine Größenordnung von:

>1,5 Mrd. Euro zumindest diskutierbar.


Mein Fazit: Bei Viromed geht es um asymmetrische Wertentwicklung

Für mich ist Viromed keine klassische Value-Aktie. Die Aktie lässt sich derzeit nicht sinnvoll über ein niedriges KGV oder eine hohe Free-Cashflow-Rendite begründen.

Viromed ist vielmehr eine technologische Special Situation mit erheblichen binären Elementen. Das bedeutet hohes Risiko. Aber genau daraus entsteht auch die außergewöhnliche Optionalität. Die wichtigste Frage ist meiner Meinung nach nicht, wie hoch der Umsatz von Viromed 2026 exakt ausfallen wird. Die entscheidende Frage lautet:

Kann PulmoPlas von einer interessanten präklinischen Technologie zu einer wissenschaftlich validierten, klinisch wirksamen und schließlich regulatorisch zugelassenen Therapieplattform werden?

Wenn die Antwort Nein lautet, wäre ein großer Teil meiner Investmentthese hinfällig.

Wenn die Antwort aber Ja lautet, muss Viromed meines Erachtens völlig anders bewertet werden. Die Beispiele Auris Health und Mazor Robotics zeigen, dass große MedTech-Konzerne bereit sind, Milliardenbeträge für Technologien zu bezahlen, ohne dass die übernommenen Unternehmen bereits Milliardenumsätze erzielen.

Sie kaufen nicht nur Umsatz. Sie kaufen klinische Differenzierung, geistiges Eigentum, Markteintrittsbarrieren, Plattformtechnologie und zukünftige Marktführerschaft. Genau deshalb finde ich PulmoPlas so interessant.

Meine Viromed-Bingo-Karte enthält viele Felder. Aber am Ende brauche ich für die ganz große Investmentthese eigentlich nur drei Treffer:

1. Die Wissenschaft bestätigt PulmoPlas.
2. Der Mensch bestätigt die Wissenschaft.
3. Die Regulierungsbehörden öffnen den Markt.

Sollte nur Punkt eins eintreten, sehe ich bereits erhebliches Neubewertungspotenzial. Sollten Punkt eins und zwei eintreten, halte ich eine Milliardenbewertung von Viromed für realistisch diskutierbar. Und sollte irgendwann auch Punkt drei erfüllt sein, würde ich nicht mehr primär fragen, wie viel Viromed mit PulmoPlas im nächsten Jahr verdient.

Dann würde sich für mich eine ganz andere Frage stellen:

Was wäre eine klinisch validierte und zugelassene neue Therapieplattform für schwere Lungeninfektionen einem Johnson & Johnson, Medtronic oder einem anderen globalen MedTech-Konzern wert?

Genau deshalb bleibt Viromed für mich eine der spannendsten – aber auch risikoreichsten – Bingo-Karten im deutschen Small-Cap-Markt.

Was denkst du über die Aktie?


Hinweis: Dieser Beitrag stellt meine persönliche Einschätzung und Szenarioanalyse dar und ist keine Anlageberatung. Die genannten Bewertungen sind keine Kursziele oder Garantien. Insbesondere bei frühen Medizintechnikprojekten bestehen erhebliche wissenschaftliche, klinische, regulatorische, finanzielle und kommerzielle Risiken. Die historischen M&A-Transaktionen dienen ausschließlich als Beispiele für mögliche Bewertungsmechanismen im MedTech-Sektor und sind nicht unmittelbar auf Viromed übertragbar.

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    Sonntag, 13. September 2026

    (•‿-) Meine drei wikifolio Musketiere, insgesamt 5 unter den Top 500 und die Positionierung für die Woche - KW 38/26

     

    Insgesamt gibt es aktuell über 34.800 wikifolios von ca.7.500 Trader. Davon sind ca. 10.000 investierbar. Bei der Grundeinstellung für die wikifolio Suche, werden die wikifolios nach der sogenannten wikifolio-Rangliste sortiert. 

    Die Aufgabe der wikifolio Rangliste ist es, Anlegern Orientierung zu bieten und wikifolios untereinander besser vergleichbar zu machen. Das wikifolio mit den meisten Punkten steht also ganz oben auf der ersten Seite. 

    Meine 3 höchstplatzierten wikifolios sind:

      

    Platz 7: PPinvest Low Vola  1. Jahr +29,1%

    Platz 14:  PPinvest KI System 1. Jahr +38,3%

    Platz 111:  AUTOPILOT - DEFENSIVE 1. Jahr +43,3%


    Nr. 4 und 5 unter den Top 500 sind:


    Platz 158: PPinvest PREMIUM AKTIEN 1. Jahr -0,7%

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    CeoTronics AG Konzern-Kennzahlen zum Geschäftsjahr 2025 / 2026- https://www.eqs-news.com/de/news/corporate/konzern-kennzahlen-zum-geschaeftsjahr-2025-2026/0a491c02-51f1-479c-b971-374d9f54bfe0_de

    Campine acquires Flamaway Group, expanding its flame retardant activities by more than 50%- https://ml-eu.globenewswire.com/Resource/Download/9ef386eb-a596-4be9-b7a6-a9e09a4dc3c5

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