Hand aufs Herz: Dachten Sie auch, das Thema "Gasspeicher-Starren" hätten wir 2022 endgültig abgehakt? Pünktlich zum Start ins Jahr 2026 holt uns die Realität wieder ein. Während wir uns noch fragen, ob wir die Neujahrsvorsätze wirklich durchziehen sollen, haben sich unsere Gasspeicher bereits entschieden: Sie nehmen ab. Und zwar radikal.
Es fühlt sich ein bisschen an wie ein Déjà-vu, nur
dass wir diesmal eigentlich besser vorbereitet sein wollten. Warum die Kurven
gerade steiler nach unten zeigen als die Laune am Montagmorgen und was das für
den europäischen Gaspreis (TTF) bedeutet, schauen wir uns jetzt mal genauer an.
Der große Schwund: 40 Prozent sind das neue "Alarmstufe Gelb"
Fangen wir mit dem Elefanten im Raum an: Die Speicher
leeren sich in einem Tempo, das selbst erfahrenen Marktbeobachtern die
Augenbrauen hochziehen lässt. Aktuell (Stand Ende Januar 2026) dümpeln die
deutschen Gasspeicher bei knapp über 40 % Füllstand herum. Zum
Vergleich: In den "guten alten Zeiten" (oder zumindest in den letzten
zwei Wintern) hatten wir um diese Jahreszeit noch komfortable Polster von 60 %
bis 80 %. Auch im restlichen Europa sieht es mit knapp 50 % im Schnitt eher mau
aus – während Länder wie Italien oder Portugal noch entspannt auf vollen Tanks
sitzen, hinkt Deutschland hinterher.
Warum das wichtig ist:
Das ist nicht nur eine Zahlenspielerei. Ein
Speicherstand von 40 % im Januar bedeutet, dass wir kaum noch Puffer für einen
richtig fiesen Februar haben. Wir "fahren auf Sicht", wie es so schön
im Behördendeutsch heißt. Das Problem ist die Geschwindigkeit: Wir entnehmen an
kalten Tagen massiv Gas (bis zu 2000 GWh und mehr), speisen aber kaum etwas
nach. Das ist, als würden Sie Ihr Bankkonto plündern, während das Gehalt
ausbleibt – irgendwann kommt der Punkt, an dem die Karte glüht.
Der Preisschock: Der TTF spielt Verrückt
Erinnern Sie sich an den TTF? Das ist der "Title
Transfer Facility", quasi der Börsenplatz für unser Gas in den
Niederlanden, der den Takt für ganz Europa vorgibt. Und dieser Takt ist gerade
von "entspanntem Jazz" zu "hektischem Techno" gewechselt.
Innerhalb von nur zwei Wochen sind die Futures um satte 25 bis 40 Prozent nach
oben geschossen.
Kurze Analyse:
Warum die Panik? Märkte hassen Unsicherheit. Die
Händler sehen die leerlaufenden Speicher, spüren die kalte Witterung und
bekommen Angst, dass wir im März mit leeren Händen dastehen. Dazu kommt eine
Prise internationale Konkurrenz: Wenn es in Asien auch kalt wird, streiten sich
die LNG-Tanker (Flüssiggas-Schiffe) nicht darum, wer nach Wilhelmshaven darf,
sondern wer am meisten zahlt. Das treibt den Preis.
Experten-Einschätzung:
"Die Stimmung hat sich vollständig gedreht, man
kann fast von einem 'perfekten Sturm' sprechen. Sinkende Speicherstände und
massive Eindeckungskäufe bilden ein toxisches Gemisch."
– Arne Lohmann Rasmussen, Global Risk Management
(sinngemäß)
Die Ursachenforschung: Ein Mix aus Wetter, Mathematik
und Pech
Aber wie konnte das passieren? Haben wir vergessen,
den Hahn zuzudrehen? Nicht ganz. Es ist eine Mischung aus mehreren Faktoren,
die hier zusammenkommen – ein klassischer "Perfect Storm".
- Väterchen Frost: Der Januar 2026 war kalt. Kälter als gedacht.
Und wenn Deutschland friert, laufen die Heizungen auf Hochtouren.
- Die
"Dunkelflaute": Wenig Wind bedeutet, dass Gaskraftwerke
einspringen müssen, um Strom zu produzieren. Wir haben unser Gas also
nicht nur verheizt, sondern auch "verstromt".
- Der Rechenfehler
des Sommers: Das ist der
eigentlich spannende (und ärgerliche) Punkt. Im Sommer 2025 war Gas für
den sofortigen Verbrauch teurer oder kaum günstiger als für den Winter.
Für Händler gab es also keinen ökonomischen Anreiz, die Speicher
bis zum Rand vollzuknallen. Man hat gepokert – und sich ein bisschen
verrechnet.
Reflexion:
Das zeigt uns schmerzhaft, dass der Markt zwar
effizient ist, aber keine Vorsorge für Krisenfälle trifft, wenn es sich
finanziell nicht lohnt. Wir haben uns auf die milden Winter der Vorjahre
verlassen und dabei vergessen, dass das Wetter keine Verträge unterschreibt.
Ausblick: Wird die Heizung kalt?
Jetzt zur Millionen-Euro-Frage: Gehen uns im Februar
die Lichter (und Heizungen) aus?
Die kurze Antwort: Wahrscheinlich nicht, aber es wird
teuer.
Die Verbände (wie INES) warnen zwar, dass die Speicher
bei anhaltender Kälte im Februar leerlaufen könnten, aber das ist ein
Worst-Case-Szenario. Wahrscheinlicher ist, dass wir mehr teures LNG nachkaufen
müssen, um die Lücke zu füllen.
Für den TTF-Gaspreis bedeutet das: Volatilität ist
das neue Normal. Solange die Speicherstände so niedrig sind, wird jede
Wettervorhersage, die Minustemperaturen ankündigt, die Preise nach oben
treiben. Erst wenn der Frühling stabil einzieht, wird sich die Lage beruhigen.
Fazit: Auf dünnem Eis in den Frühling
Wir schlittern (wortwörtlich) gerade etwas
unvorbereitet durch den Winter 2026. Die gute Nachricht: Die Gasspeicherumlage
ist seit dem 1. Januar weg – eine kleine Entlastung. Die schlechte Nachricht:
Die steigenden Marktpreise und Netzentgelte fressen das schnell wieder auf.
Wir lernen daraus, dass Energiesicherheit kein Zustand
ist, den man einmal erreicht und dann abheftet. Es ist ein dauerhafter
Balanceakt zwischen Wetterglück, geopolitischer Lage und wirtschaftlicher
Vernunft.
In meinem wikifolio PPinvest Low Vola setzte ich die oben angeführten Gedanken mit einem ETF, auf einen steigenden TTF Preis um. Bei FollowMyMoney habe ich einen Turbo Optionsschein mit Hebel ca. 2,5 gekauft.
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Interessenkonflikt: Der Autor dieser Publikation hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung Aktien/Wertpapiere der hier besprochenen Werte/Unternehmen und hat die Absicht, diese je nach Marktsituation zu veräußern.



