Freitag, 2. Januar 2026

(•‿-) Warum der „langweilige“ Nachbar nach der Wahl plötzlich sexy wird - Chile vs. Argentinien

 

Hand aufs Herz: In den letzten Jahren war Chile für Investoren ungefähr so attraktiv wie eine Wurzelbehandlung ohne Betäubung. Erst die sozialen Unruhen, dann das endlose Verfassungs-Drama und eine Regierung, die die Märkte eher verschreckt als umarmt hat. Währenddessen stahl Argentinien mit Javier Mileis Kettensägen-Show und libertären Experimenten allen die Show.

Aber Vorsicht, Spoiler-Alert: Das Blatt hat sich gewendet.

Nach den jüngsten Wahlergebnissen und dem klaren politischen Rechtsruck atmet der Markt hörbar auf. Die Party in Buenos Aires mag lauter sein, aber in Santiago werden jetzt die echten Deals gemacht. Warum es genau jetzt Sinn macht, auf den Andenstaat zu setzen, und ob wir hier ein zweites Argentinien erleben – lassen Sie uns das aufschlüsseln.


Ein Bild, das Text, Schrift, Screenshot, Reihe enthält.

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Der Chart oben zeigt die Ausgangssituation. Schauen Sie sich die schwarze Linie (Global X MSCI Argentina ETF) an. Das ist keine Kurve, das ist eine alpinistische Meisterleistung. Was wir sehen: Ein Anstieg um rund 300 % in 5 Jahren. Die Story dahinter: Das ist der "Milei-Effekt" in Reinform. Javier Milei, ist seit dem 10. Dezember 2023 im Amt. Die Märkte haben die libertäre Schocktherapie und die Hoffnung auf eine neue Ära in Buenos Aires eingepreist.

Vergleichen Sie das mit der blauen Linie (iShares MSCI Chile ETF). Der chilenische Dornröschenschlaf (Blaue Linie). Der "Totraum" (2021–2024): Jahrelang bewegte sich der Kurs seitwärts. Investoren haben kein Geld verloren, aber sie sind vor Langeweile fast gestorben. Das war die Phase der verfassungsrechtlichen Unsicherheit und politischen Experimente.

Das Aufwachen (Ende 2025): Sehen Sie diesen kleinen, aber sehr deutlichen Haken nach oben ganz rechts am Rand? Das ist der entscheidende Moment. Genau hier beginnt der Markt, den Wahlausgang zu realisieren. Der Dornröschenschlaf ist vorbei. Die Linie bricht aus ihrer Lethargie aus.

Die Analyse: Argentinien (schwarz) hat seinen Lauf schon hinter sich. Chile (blau) steht erst am Anfang. Wenn Chile nur die Hälfte des Vertrauens zurückgewinnt, das Argentinien bereits genießt, muss die blaue Linie massiv steigen, um diese Lücke zu schließen.

Fazit zum Chart. Dieser Graph ist der visuelle Beweis für die Anlagethese: Chile ist die Wette von morgen.

 

1. Das Ende der Unsicherheit (Endlich!)

Die Märkte hassen nichts mehr als Unsicherheit. Und Chile war jahrelang der Weltmeister der Unsicherheit. Wird die Verfassung neu geschrieben? Wird der Bergbau verstaatlicht?

Mit dem Wahlausgang ist diese Nebelwand verschwunden. Der Sieg der konservativen Kräfte signalisiert den Investoren eines ganz deutlich: Das Experimentieren ist vorbei.

Die Rückkehr zu einer wirtschaftsfreundlicheren Politik bedeutet, dass die Spielregeln wieder klar sind. Für ausländisches Kapital ist das der Startschuss. Chile kehrt zu dem zurück, was es Jahrzehnte lang war: Das langweiligste, aber verlässlichste Land Lateinamerikas. Und im Finanzjargon ist "langweilig" das schönste Kompliment, das man bekommen kann.

Zitat zur Reflexion:

"Kapital ist wie ein scheues Reh. Es bleibt dort, wo es sicher grasen kann, nicht dort, wo der Jäger ständig die Regeln ändert." – Dieses alte Börsen-Mantra trifft den aktuellen Stimmungswandel in Santiago perfekt.

 

2. Der Lithium- und Wasserstoff-Joker

Während die Politik stritt, hat die Geologie nicht geschlafen. Chile sitzt immer noch auf den weltweit größten Lithiumreserven und hat das beste Potenzial für grünen Wasserstoff.

Das Problem war bisher: Die Investitionen stauten sich, weil niemand wusste, wie hoch die Steuern sein würden oder ob private Unternehmen überhaupt noch erwünscht sind.

Mit dem neuen politischen Wind dürften die regulatorischen Staudämme brechen. Die neue Administration wird voraussichtlich den „roten Teppich“ für Bergbau-Investitionen ausrollen, um das Wachstum anzukurbeln. Wer jetzt in chilenische Rohstoffwerte oder Infrastruktur investiert, kauft sich im Grunde ein Ticket für die globale Energiewende – aber zum Discount-Preis eines Schwellenlandes, das gerade erst aus der Krise kommt.


3. Die Bewertungen sind (noch) im Keller

Hier liegt die eigentliche Chance: Der chilenische Aktienmarkt (IPSA) handelt im historischen Vergleich immer noch mit einem Abschlag. Viele internationale Fonds haben Chile in den letzten Jahren untergewichtet.

Jetzt, wo das politische Risiko (die sogenannte „Risk Premium“) sinkt, müssen diese Fonds ihre Positionen neu bewerten. Wenn das große Geld zurückfließt, steigen die Kurse – und wer vorher drin ist, profitiert am meisten. Es ist das klassische „Buy Low, Sell High“, nur dass das „Low“ hier eher ein „Buy Safe, but Cheap“ ist.


4. Parallelen zu Argentinien: Zwillinge oder entfernte Verwandte?

Das ist die Frage, die mir alle stellen: „Ist das jetzt der Milei-Effekt in Chile?“

Die Antwort ist: Jein.

Es gibt Parallelen, ja:

  • Der politische Trend: Der „Southern Cone“ (Südkegel Südamerikas) schwingt eindeutig nach rechts. Die Wähler haben genug von Stagnation und Unsicherheit und wählen Marktliberalität.
  • Der Fokus: Beide Länder setzen jetzt radikal auf Wachstum und Deregulierung.

Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied, der Chile für konservative Anleger vielleicht besser macht als Argentinien:

Argentinien ist die wilde Wette, Chile ist das solide Investment.

Milei muss in Argentinien ein komplettes System niederreißen und gegen eine hyperinflationäre Geschichte ankämpfen. Das ist High-Risk/High-Reward.

Chile hingegen hat immer noch funktionierende Institutionen, eine unabhängige Zentralbank und niedrige Verschuldung. Der neue Präsident in Chile muss das Haus nicht abreißen, er muss nur renovieren.

 

Zusammenfassung: Der Blick nach vorn

Investieren in Chile nach diesen Wahlen ist eine Wette auf die Normalität. Sie wetten nicht darauf, dass ein Wunder geschieht (wie in Argentinien), sondern darauf, dass ein starker Athlet nach einer Verletzungspause wieder auf das Spielfeld läuft.

Die Kombination aus niedrigen Bewertungen, politischer Klarheit und dem Rohstoff-Hunger der Welt macht Chile zum vielleicht spannendsten „Turnaround-Play“ für 2026.

In meinem wikifolio PPinvest Low Vola  setzte ich die oben angeführten Gedanken mit einem Chile ETF und der Aktie Lithium Chile um.




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Interessenkonflikt: Der Autor dieser Publikation hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung Aktien/Wertpapiere der hier besprochenen Werte/Unternehmen und hat die Absicht, diese je nach Marktsituation zu veräußern.